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Oma mal mal!

Sarah, Julius und Johannes haben in der Coronazeit Malstunde mit Oma per Skype oder Facetime. Damit kann die achtjährige Sarah virtuos umgehen – im Gegensatz zu Oma. Dafür kann die Oma besser malen.

 

Für die erste Sitzung nur mit Sarah habe ich mir etwas ausgedacht. Schnell habe ich gemerkt, dass nur dicke Filzstifte geeignet waren, um etwas gut Sichtbares nach Ludwigsburg zu senden. Ich hatte aus dem Garten Osterglocken und Gänseblümchen geholt und habe ihr gezeigt, dass (fast) alle Blühten auf einer Kreisform beruhen und wenn man die Blühte von der Seite ansieht eine Ellipse zugrunde liegt. Alles was ich ihr schrittweise vorgemalt hatte, hatte sie zuhause auch gemalt und mir das Ergebnis jedes Mal gezeigt. Darüber hatte sie fast die Essenszeit vergessen. Noch schnell hat sie den neuen Termin für uns festgelegt.

 

 

 

 

Drei Tage später beim nächsten digitalen Treffen hatte sie selbst Wiesenblumen gepflückt, die wollte sie pressen und auf ein gemaltes Bild kleben. „Oma, wir wollen eine Wiese malen, hinten mit Bergen und Sonnenuntergang.“ Oma war der mitmalende Ideengeber und musste sich dabei sehr beeilen. Sarah sagte zum Abschluss: „ Weißt du, Oma, ich habe im Zeugnis eine Eins in Kunst bekommen, weil ich das Talent von dir habe.“

 

 

 

 

Bei der nächsten Malstunde gab es eine Überraschung. Alle drei Enkelkinder saßen erwartungsvoll mit Malpapier und Stiften am Esstisch.

 

„Was malen wir heute?“ Sarah schlug einen Teich mit Seerosen vor. Gut also malen wir zuerst den Teich. Bei den Seerosen gab der zweijährige Johannes auf: „Ich kann das nicht“ und verschwand aus der digitalen Welt. Julius: „Und jetzt ein Krokodil im Teich und Palmen!“ Beim Krokodil gab Julius auf.

 

 

 

 

Ich tröstete ihn: „Du kommst doch erst im Herbst in die Schule, die Sarah ist schon in der dritten Klasse, da kann sie das besser. Für dich habe ich  eine andere Idee: Nimm einen dicken schwarzen Filzstift und male mehrere Linien nebeneinander und dann mehrere quer dazu.“ „Aber ich darf noch nicht mit Filzstiften malen!“ erwiderte Julius. „Dann nimm deine Buntstifte. - Siehst du, es sind lauter kleine Flächen entstanden, die kannst du nun anmalen, jedes in einer anderen Farbe.“ Nach kurzem Bemühen verschwand Julius in den Garten.

 

 

 

 

„Jetzt können wir in die Farbflächen noch Muster malen“, schlug Sarah vor.

 

 

 

 

„Oh, der Julius ruft mich! – Tschüss Oma“

 

Mich hat das Thema nicht losgelassen und so ist mein Bild „Tanz der Harlekine“ entstanden.

 

 

 

 

 

Ilse-Marie Weiß

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