KuKuK-Interviews

An dieser Stelle gibt es jeden Mittwoch ein Interview mit einem KuKuK-Mitglied.



20. Mai 2020: Marita Meurer

 

Wie/mit welchem Medium drückst du dich künstlerisch aus?

Malen mit Acryl und mit verschiedenen Medien (Mischtechniken mit Spachtelmasse, Marmormehl, Sand, Kaffeesatz, Ölkreide sowie Kohle und Tusche). Zwischendurch kamen noch Arbeiten mit Ton und Speckstein hinzu.

 

Wie bist du dazugekommen, diese Kunst zu lernen, auszuüben?

Ich habe seit meiner Kindheit schon immer gerne gemalt und gezeichnet. Auch in der Schule hat mit der Kunstunterricht sehr viel Spaß gemacht.

Woher kam die Motivation? Wer oder was hat dich dazu inspiriert? 

Die Seidenmalerei hat mich schon immer inspiriert. Ich habe Tücher, viele Kissenhüllen und Krawatten bemalt. Später wagte ich mich auch Bilder auf Seide anzufertigen, die dann auf Lampenschirmfolie aufgespannt wurde, um Stabilität zu bekommen. Später kam die Aquarellmalerei und auch das Malen mit Acrylfarbe hinzu.

 

Seit wann bist du künstlerisch aktiv?

Künstlerisch tätig bin ich schon seit meiner Kindheit. Wie schon erwähnt habe ich ca. 1998 mit der Seidenmalerei begonnen.

 

Woher nimmst du die Motive für deine künstlerische Arbeiten?

Am Anfang meiner Malerei habe ich mich an gegenständlichen und naturistischen Motiven orientiert. Erst viel später kam die abstrakte Malerei hinzu.

 

An welchem Künstler, welcher Künstlerin hast du dich im Anfang deiner künstlerischen Tätigkeit orientiert?

Am Anfang meiner künstlerischen Tätigkeit habe ich mich u.a.an Friedensreich Hundertwasser, August Macke, Gabriele Münter, Wassily Kandinsky sowie Ottmar Alt orientiert.

 

Gibt es heute noch andere Vorbilder?

Nein, nicht wirklich. Ich entwickle meine eigenen Werke. Außerdem besuche ich viele Ausstellungen und nehme viele Inspirationen mit.

 

Wie kamst du zum Kukuk?

Durch den Besuch einer Ausstellung im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg, Ende 2008. Ich kam mit einigen Mitgliedern des Kukuk ins Gespräch und fand es gut, dass man sich mit anderen kunstinteressierten Menschen austauschen konnte. Ich bin seit Anfang 2009 Mitglied im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg.

 

Welchen Beruf hast du erlernt, welchen Beruf übst du aus, bzw. hast du bis vor der Rente/Pension ausgeübt?

Ich habe den Beruf der Apothekenhelferin erlernt. Darauf aufbauend habe ich durch einen Arbeitsplatzwechsel zum UKGM Gießen eine weitere Ausbildung zur Medizinischen Dokumentations-Assistentin gemacht. In diesem Fachbereich Strahlentherapie war ich ca. 23 Jahre, bis zu meiner Rente tätig.

 

Kommst du aus der Gegend? Wenn nicht, wo kommst du her? Warum bist du hierhergezogen?

Ich bin in Pohlheim (Watzenborn) geboren. Wir haben im Jahre 2000 nochmals gebaut, und sind dann nur in einen anderen Ortsteil von Pohlheim (Garbenteich) umgezogen.

 

Sonst noch was?

Ich habe viele Lieblingskünstler, u.a. Peter Maffay.

Meine Lieblingsfarbe ist Blau in allen Variationen (von Indigo bis hin zu Türkis und zu ganz hellen Blautöne).

Meine Lieblingsmusik ist vielfältig. Ich mag Schlager genauso wie Rock, Pop, Jazz u.v.m.

Am liebsten esse ich italienische, aber auch japanische Speisen sehr gerne.

Zu Hause und im Umfeld meiner Familie fühle ich mich sehr wohl.

Ich lese gerne leichte Lektüre aber auch ein Krimi wie z.B. von Nele Neuhaus, Märchen und Kurzgeschichten von Hermann Hesse.

Ich liebe meinen Garten (und natürlich auch die Gartenarbeit).

Außer Malen handarbeite ich sehr gerne. Das Basteln mit meinen Enkelkindern macht mir auch großen Spaß.


13. Mai 2020 Horst Wolcke


Mein Weg zur Photographie  -  ein Rückblick von Horst Wolcke

 

Mit einer gebrauchten  ZEISS - IKOFLEX  als Geschenk eines älteren Herrn fing alles an . Dieses ziemlich schwere photographische Gerät , eine zwei-äugige  6 x 6 - Kamera gab mir die Möglichkeit , Menschen im Alltagsleben oder interessante Gebäude und Beobachtungen in der Natur einfach , schnell und präzise abzubilden . Ich war unabhängig von Pinsel und Zeichenstift . Im Gymnasium  in Düren im Rheinland gab es leider kein Labor zum Entwickeln  der Film-negative und auch keinen Vergrösserer , um Positive und damit interessante  Papierbilder  zu machen .

Für meine IKOFLEX benötigte ich einen  6 x 6 - Rollfilm , Empfindlichkeit   21 DIN bzw.  400 ASA   -   am besten  Blende  8  und  1/100  sec. .  Bei normaler Helligkeit  reichte das für einen Anfänger , um eine akzeptables Ergebnis zu erreichen .  Ich schaute dabei von oben auf die  große Mattscheibe , über die ich mit einer seitlichen Verstellschraube an der Kamera die Scharfstellung vornehmen konnte . Dann  nur noch ein Auslöseklick mit Daumen oder Drahtauslöser und das  Photo „ war drin „ .   

Der Film hatte nur 12  Einzelnegative  -  ich mußte also genau überlegen , welches Motiv sich lohnte  .  Mein Taschengeld  war bescheiden und die Möglichkeit zu Nebenverdienste über Nachhilfe oder Bücherausfahren begrenzt .  -  War der Film belichtet mußte er in der Kamera  nach dem 12. Bild  jedesmal zurückgespult werden , um ihn    zu entnehmen und lichtdicht zu verschliessen  .  Dann brachte ich ihn in ein Photogeschäft , wo der Film im Labor entwickelt wurde , bestellte auch gleich 12 Kontaktabzüge in 6 x 6 cm  -  also Papierbilder  -   um zu sehen , welches Bild evtl. für eine Vergrösserung taugte .

Während einer Sportveranstaltung konnte ich einen Kugelstoßer  gut in seiner Bewegung  darstellen , und während eines Fußballspiels lag der Torwart wie losgelöst fast waagerecht in der Luft , um einen schnellen Ball zu parieren , der in seiner Unschärfe nur noch wie eine  Staubfahne zu erkennen war  -  dabei stand ich hinter dem Tor .  -   Nach etlichen Versuchen hatte ich  dieses Handwerk im Prinzip kennengelernt und kam erst wieder darauf zurück , als ich im 3. oder 4. Semster in Mainz Medizin studierte . Dabei konnte ich nebenher über  kleine Tätigkeiten  meine Finanzen etwas aufbessern und mich auf diese Weise wieder der Photographie  in geringem Maße  widmen .                                                                           Nach dem Abitur hatte ich zunächst  6,5  Wochen  am Bau gearbeitet , war später u.a. Arzthelfer in Süddeutschland , 8 Wochen  lang Auslieferungsfahrer mit Klein-Lkw in Hamburg und dann Betreuer und Fahrer eines teilgelähmten jungen Amerikaners auf Europareise , der in einem Hotel  in Wiesbaden mit seinem väterlichen Begleiter zwei Wochen Station machte . Zu den Einzelausflügen zählten u.a.  Heidelberg , Fulda und die Besichtigung des tiefen Weinkellers auf Schloß Johannisberg          Zu meinen weiteren  „ Jobs „ gehörte später auch die Arbeit für ein Mainzer Photogeschäft , das in seinem Schaufenster  Photos von Personen  nach den Karnevalssitzungenn ausstellte  -  die konnten ihre Bilder  dann für sich nachbestellen  .  So war es  meine Aufgabe , während der sog. „ Kampagne „ im  Winter-Frühjahr die Zuschauer bei den größeren Sitzungen  reihenweise abzulichten , gleichzeitig Firmenkärtchen auszuhändigen   -  und das ohne zu stören und stets gut an-gezogen mit Anzug und Krawatte .  Mit dem Firmen-ausweis hatte ich freien Eintritt für diese durchaus an-strengende Tätigkeit , die erst abends spät begann und mit Sitzungsende aufhörte . Danach noch die Kamera  und das schwere Akku-Blitzgerät  beim Senior abgeben , damit die belichteten Filme noch in der Nacht entwickelt und zu den Schaufensterbildern verarbeitet werden konnten .  Nach Hause  in mein Zimmer  brachte mich dann mein 2 CV  ,  eine Ente mit nur  16  PS  -  Mobilität war  Voraussetzung für diese  Tätigkeit , denn die Veranstaltungen fanden immer in verschiedenen Mainzer Stadtteilen statt . -  Dabei ist mir noch in Erinnerung  , dass ich in zwei aufeinander folgenden Jahren  ( zuletzt kurz vor dem Examen ) jeweils  während der Großen Sitzung im Kurfürstlichen Schloß  in einem kleinen Atelierraum Kostümaufnahmen machen konnte , einer Aufgabe , die mit zunehmender Stimmung  entsprechend Anklang fand .  Die Erfahrungen , die ich dabei machte , kamen mir auch zugute , wenn ich privat unter einfachsten Bedingungen Portraitaufnahmen machte   -  alles noch mit meiner IKOFLEX   -   bis die Vorbereitungen für das Staatsexamen im Jahre 1967 keinen zeitlichen Spielraum mehr hergaben .

                                                                                             Nach zwei Jahren als Medizinal-Assistent , verheiratet und ein Söhnchen , waren  allgemeinärztlich geprägt , bis ich anschliessend zur speziellen Weiterbildung an die Univ.-Augenklinik in Mainz kam .                                                                    Inzwischen hatte ich mir eine Leicaflex-Kleinbildkamera geleistet , ein ziemlich gutes und teures Stück . Jetzt hatte ich  die Möglichkeit , mit einem Film 36  Bilder in Folge zu machen und konnte auch die Kamera in bequemer Pose vor das Auge halten , ohne von oben auf eine Mattscheibe zu schauen . So machte ich  Aufnahmen während der Hochzeitsfeier  eines Freundes in Frankreich  . Ich kannte ihn seit Studienzeiten  , als wir beide eine Aufgabe in der  studentischen  Politik hatten , zu einer Zeit , als es  politisch überall unruhig war .  Er studierte Publizistik und Politologie  -  passend also zu einer solchen Aufgabe , während ich eher durch Zufall dazu  gekommen war . Später also - wir waren beide berufstätig - heiratete er seine französische Freundin auf dem Weingut der Großeltern in einem kleinen Ort an der Loire . Nach interner Absprache durften die beiden einen Pfarrer mitbringen , den sie schon lange persönlich kannten , der dann die individuelle Hoch-zeitsfeier in der kleinen Kirche gestaltete .  -  Mein Interesse galt vor allem dem gemütlichen  Zusammensein der so unterschiedlichen und mir unbekannten Leute bei ländlicher Küche und gutem Wein . Die Stimmung war sehr gemütlich-ländlich  und die photographischen Ergebnisse auf Papier  geben genau das wider . Sie haben nichts von der besonderen Atmosphäre verloren .

 

Auch beruflich hatte ich stets mit  Photographie zu tun .  . So beschäftigte ich mich mit der Darstellung des Augen-hintergrunds und seiner interessanten Gefäßstruktur , um auch krankhafte Veränderungen  erkennen zu können  -  dies ist z.B. bei Diabetes manchmal der Fall und hat damit weitreichendere Bedeutung .

Während der Zeit an einer Berliner Klinik machte ich interessante Straßenbilder von einer Anti-Vietnam-Demonstration mit zahlreichen aufgewühlten Menschen in der Nähe der Gedächtniskirche .  

Es gibt immer wieder interessante  Situationen , wo irgendwelche Leute irgendetwas miteinander zu tun haben . Im Laufe der Zeit und mit zunehmende Erfahrung wächst auch die Sensibilität für Menschen und  ihr Verhalten .  Das kann die Gestik sein , der Blick für sich  allein oder mit- einander in der Gruppe  -  häufig sind es ganz alltägliche Momente , die ein Bild ausmachen und man merkt manchmal erst später , was man „ eingefangen hat „  hat .                                                                                     Wenn ich jemanden nennen müßte , den ich als eine Art Vorbild betrachte  , dann wäre es Barbara Klemm , die als Photographin im Rahmen sog. „ streetphtotography „ ihre Bilder schon oft gezeigt hat , gerade in der Frankfurter Gegend   -  sie war bei der FAZ . Photographisch gibt sie gibt auch in der eigenen Aufgabenbeschreibung etwas wider , das mir selbst entspricht .  -  Andererseits haben auch viele Zeichner und Maler jahrhundertelang  unsere Rolle im Alltagsleben dargestellt  -  auch für Photographen sehr lehrreich .

 

Was mein Engagement im KUKUK angeht  -  ich hatte früher keine besondere Gelegenheit und auch nicht unbedingt den Gedanken , meine Bilder auszustellen . Ich habe eigentlich für mich selbst photographiert .Auch haben mich die zunehmende künstlerische Bedeutung und auch die damit verbundenen Ehren und auch Preise bei bekannten Photographen ziemlich überrascht .  -  Nun , die Überraschung ist längst vorbei   -  ich arbeite inzwischen mit einer Digitalkamera und freue mich über die  bessere Lichtausbeute  -  das war in den analogen Jahren durchaus  begrenzter  und  aufwendiger . Durch die Möglichkeit , massenhaft Bilder zu speichern und auch mühelos wieder zu löschen , ist es allerdings zu einer regelrechten Flut von Bildern gekommen  -  da muß man evtl. etwas genauer und differenzierter  hinschauen  , aber das macht ja auch  kritischer und toleranter zugleich .                                       

Unabhängig von der neuesten Technik haben sich meine  eigene Aktivität und mein Interesse an der bildnerischen Darstellung nicht verändert  -  meine Grundlagen dazu habe ich früh gelernt und ich kann diese Erfahrungen auch heute gut anbringen .                                                                      In unserer etwa 80 Mitglieder zählenden sehr aktiven Gruppe von künstlerisch interessierten und  tätigen Leuten mit dem schönen Namen  „ KUKUK „    finden solche Überlegungen und Gespräche dauernd statt .  Es ist immer etwas los  -  an Aufgaben fehlt es nie  -  immerhin gibt es doch  12 bis 13 Ausstellungen im Jahr  -  das ist mit viel Arbeit verbunden , denn die große Ausstellungshalle  wird in der Regel mit 60 bis 100 Bildern an den Wänden und zahlreichen Objekten am Boden oder in der Luft bestückt   -  an Handwerkszeug oder einer Leiter ist stets Bedarf .  Am Ende ist dann eine gut besuchte Vernissage mit Freude bei Besuchern und Schaffenden eine schöne Belohnung .       Auf jeden  Fall lohnt es sich bei uns vorbeizuschauen .      

 

Anm. - warum ich Photographie in älterer Schreibweise mit          „ ph „  schreibe  -  eine Hommage an die Franzosen

           die zu den Erfindern gehören . 


6. Mai 2020: Michael Ackermann


Impulse aufnehmen

 

Wie/mit welchem Medium drückst du dich künstlerisch aus?

Ein eher reduzierendes Zeichnen ist meine Basis. Über Acryl-Malerei und Mischtechniken hinaus bin ich in der Collage/Montage und in den letzten Jahren in Handdruck-Techniken gelandet. Dabei handelt es sich vornehmlich um Frottagen und Monotypien. Letztere entstehen auf der Basis von Styroporplatten. Auch mit Ton habe ich gearbeitet. – Die Fotografie gehört zu allem in verschiedener Weise dazu.

 

Wie bist Du dazu gekommen, diese Kunst zu lernen, auszuüben?

Es hat alles begonnen mit meiner Ausbildung zum Schriftsetzer. In der Berufsschule gehörte zur Ausbildung das Handwerk der grafischen Gestaltung, das Entwerfen und Zeichnen von Schriften und das Zeichnen überhaupt, vor allem unter dem Gesichtspunkt von Raumaufteilung und Perspektive (z.B. das proportionsgetreue Übertragen von Stadtansichten). Neben dem Bleistift- musste ich mich damals auch im Tusche-Zeichnen schulen. Das gehörte quasi zum beruflichen Grundhandwerkszeug. Aus der Pflicht wurde dann eine Passion.

 

Woher kam die Motivation? Wer oder was hat dich dazu inspiriert?

Durch meine Ausbildung und die Schriftsetzer-Praxis bin ich immer stärker in den Sog der Gestaltung im Besonderen gekommen. Inspirierend war damals die sich entwickelnde Popart, musikalisch und ästhetisch. Sie arbeitete stark mit gedehnten und gestauchten Schriften und mit für mich zuvor unvorstellbaren Farbexplosionen und grellen grafischen Effekten. Damit im Verbund gab es eine Revolution in der Entwicklung von Plakat-Kunst und von Langspielplatten-Cover, die mich erheblich beeinflusst hat. So entstanden eigene Entwürfe für imaginäre Schallplatten und psychedelische Plakate.

 

Seit wann bist du künstlerisch aktiv?

Ja in etwa seit meinem 18. Lebensjahr war ich gestalterisch aktiv, aber das würde ich noch nicht unter "künstlerisch" fassen wollen.

 

Woher nimmst du die Motive für deine künstlerische Arbeit?

Oh, das hat sich im Laufe der Zeit schon sehr gewandelt. Am Anfang stand die Motivwelt aus Popart und Surrealismus, die die Jugendkultur stark geprägt haben. In den richtig harten politischen Zeiten der 1970er-Jahre habe ich auch Agitprop-Plakate gezeichnet. Erst Anfang der 1980er-Jahre habe ich wirklich wieder begonnen zu zeichnen und zu malen. – 1985 haben Cornelia Hollaender und ich uns bei einem Mal-Kurs in der Provence beim Städel-Schüler Harald Jakob kennen gelernt, und seitdem war ich sehr mit Landschaft beschäftigt, zunächst vor allem fotografisch. Ab Anfang der 1990er-Jahre habe ich dann eigentlich kontinuierlich zeichnerisch und malerisch gearbeitet.

Mit etlichen Teilnahmen an der Sommer-Akademie in Marburg, vorwiegend im Kurs der Ostberliner Künstlerin/Grafikerin Ursula Strozynski, erweiterte sich mein Motiv-Horizont erheblich. Ich entdeckte, dass mich altindustrielle Strukturen faszinieren, dass ich eine Affinität zu Landschaftspanoramen, aber auch zu architektonischen Räumen habe. Auf Reisen führe ich seit fast drei Jahrzehnten ein zeichnerisches Tagebuch, welches Vorlagen abgibt für "typische Landschaften" oder "typische Orte", die jedoch nicht auf Realismus zielen. Immer wieder aber stellen sich mir gesellschafts- oder umweltpolitische Fragen, die ich motivisch umkreise, meist in größeren Formaten.

In meinen Bildern tauchen nur selten Menschen auf. Als hätte ich schon immer in Zeiten einer Pandemie-Welt gelebt. Ziemlich makaber.

 

An welchem Künstler, welchen Künstlern hast du dich im Anfang deiner künstlerischen Tätigkeit orientiert?

In meiner Jugend war die Begegnung mit der Kunst von Salvador Dali und René Margrit, aber auch die Faszination für die farbigen Holzschnitt-Arbeiten von HAP Grieshaber sehr prägend. Dann aber kam schon bald das Werk von William Turner ins Spiel. Ich habe mich immer wieder intensiv mit seinen Bildwelten beschäftigt. Und natürlich haben mich Emil Noldes Aquarelle beeindruckt. Aber Turner und Nolde und schließlich das außerordentliche Werk von Horst Janssen haben mich gelehrt, dass ich kein hinreichendes Talent für die Aquarell-Malerei habe. Daher reagiere ich auch wohl sehr allergisch auf unbedarfte Aquarellmalerei.

 

Gibt es heute noch andere Vorbilder?

Nicht wirklich. Natürlich schätze ich Goya und El Greco, Picasso oder Schiele sowie Vincent van Gogh. Und so weiter und so weiter. Aber zu Max Beckmann muss ich etwas sagen. Durch ihn habe ich die Bedeutung der Konturlinie kennen gelernt. In seinen Gemälden sind Menschen und Gegenstände immer mit dunklen Konturen umfangen und er hat damit die "unmöglichsten" Farbzusammenstellungen möglich gemacht. Außerdem kommt damit eine grafische Note in seine Malerei, die mir außerordentlich zusagt.

Da ich mich als Zeitschriftenredakteur über gut ein Jahrzehnt mit dem laufenden Ausstellungsbetrieb und den Katalog-Neuerscheinungen beschäftigt und auch darüber geschrieben habe, stand ich eigentlich immer unter Einfluss. Aber weniger im Sinne von "Folge den Vorbildern", als "nehme Impulse auf".

 

Wie kamst du zum KuKuK?

Cornelia Hollaender und ich gehörten zu den Initiatoren der KuKuK-Gründung. Dass der KuKuK einmal eine eigene Ausstellungshalle bespielen würde, das hatten wir damals allerdings nicht zu träumen gewagt.

 

Welchen Beruf hast du erlernt, welchen Beruf übst du aus, bzw. hast du bis vor der Rente/Pension ausgeübt?

Wie schon gesagt: Schriftsetzer. Nach circa sieben Arbeitsjahren bin ich durch Parteipolitik zum Zeitschriftenredakteur geworden und habe mehr als 30 Jahre als solcher gearbeitet. Nach der Einstellung der Zeitschrift "Kommune. Forum für Politik, Ökonomie, Kultur" im Jahr 2012 habe ich noch zwei Jahre als Archivar an der Digitalisierung dieser Zeitschrift gewirkt. Nun arbeite ich als Rentner weiterhin im "Ökohaus Frankfurt" und kümmere mich hauptsächlich um die Pflanzen in zwei großen Glashäusern sowie auf Veranden, Terrassen und Dachgarten.

 

Kommst du aus der Gegend? Wenn nicht, wo kommst du her? Warum bist du hierhergezogen?

Ich bin in Osnabrück geboren und aufgewachsen. Über Münster bin ich dann nach Frankfurt gekommen und Redakteur geworden. Dann brachte mich die Liebe nach Krofdorf und ich führe noch heute ein Pendlerleben zwischen Frankfurt und Wettenberg. Natürlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Sonst noch was?

Ich habe viele Lieblingskünstler, keine Lieblingsfarbe, viel Lieblingsmusik und sehr, sehr viele Lieblingsfilme und -schriftsteller. Ich bin ein "Bücherfresser". Doch leider wird meine Bibliothek in Zukunft niemanden mehr interessieren.