KuKuK-Interviews und mehr

An dieser Stelle gibt es jeden Mittwoch unterschiedliches zu sehen: Entweder ein Interview mit einem KuKuK-Mitglied, interessante Links zu virtuellen Ausstellungen großer Kunsthäuser, Portraits bekannter Künstler und und...

 



 

21. Oktober 2020: Zwei Zeitungskritiken über KuKunale 20.2

 

Gießener Allegemeine Zeitung – Kritik KuKunale 20.2 von Heiner Schultz

19. Oktober 2020

 

Inspirierende Begegnungen

Farbstarke abstrakte Arbeiten von Gabriele Herlitz setzen einen kräftigen Akzent auf der Hauptwand der Kunsthalle in Wißmar. 

 

Krise oder nicht - es geht einfach immer weiter mit der Kreativität beim Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK). Inzwischen läuft mit der »KuKunale 20-2« die zweite, etwas größere Hälfte der großen Gemeinschaftsausstellung der Mitglieder. Anlässlich der Vernissage im Hof der Kunsthalle in Wißmar gab Vorstandsmitglied Ines Scheurmann am Samstag eine humorvolle und kenntnisreiche Einführung.

 

An die 50 Kunstfreunde waren gekommen, um sich die neuesten Werke der 13 Teilnehmer anzusehen. Der Rundgang in der Kunsthalle war so eingerichtet, dass kein Besucher einem anderen zu nahe kommen musste.

 

Gezeigt werden Arbeiten von Michael Ackermann, Vera Bennung Corominas, Lucyna Baniak, Helga Deiß, Klaus Engelbach, Johannes Eucker, Gabriele Herlitz, Bernd Mayer, Marita Meurer, Bernd Rosenbaum, Silvia Rudnicki, Ines Scheurmann und Horst Wolcke. Die Inszenierung der Hauptwand ist wieder sehr gut gelungen. Farbstarke und stilistisch wie kompositorisch sichere, sehr ästhetische abstrakte Arbeiten von Gabriele Herlitz setzen dort einen kraftvollen Akzent.

 

Das harmoniert wunderbar mit dem mittleren Bereich und seinen dort platzierten niedrigen Kästen und Stelen. Dort ist eine eindrucksvolle Vielzahl von Werken zu sehen, nicht zuletzt kleine Formate. Neben Johannes Euckers wie gewohnt gut gelaunten metallischen Alltagsfiguren und diversen bildnerischen Arbeiten fallen da die kleinen Aquarelle von Helga Deiß auf. Mit »5x der Fantasie freier Lauf« zeigt sie hoch konzentrierte abstrakte Kompositionen, die mit inhaltlicher Dichte und kompositorischer Ausgewogenheit überzeugen.

 

Naive Tierbilder und ein Totholzfund

Ebenfalls auf der großen hinteren Wand macht Klaus Engelbach Eindruck mit seinen expressiven Giclée-Arbeiten. Mit düster differenzierter Ästhetik üben sie eine überraschende Wucht auf den Betrachter aus. Marita Meurer wartet mit neuen Arbeitsweisen auf und zeigt frei geschaffene Farbfelder in unterschiedlichem Duktus, sie wirken frisch und frei. Wirklich eindrucksvoll, ja ein Volltreffer wurde ihr »Mosaik«: farbstark und kompositorisch perfekt ausgewogen. Eine ungewöhnliche, leicht und aquarellhaft anmutende Technik und Stilistik nutzt Bernd Rosenbaum. Er findet mit seinen Druckfarben auf Metallplatte in »Neue Ziele« einen überraschenden, sehr ästhetischen Stil.

 

Nicht so leicht einzuordnen sind Silke Rudnickis »Bildklötzchen«, kleine Holzscheite mit überwiegend naiven Tierbildern in Acryl - eine Abwechslung. Eindrucksvoll ist Bernd Rosenbaums kraftvoll schwebender, ja rasender »Fliegender Holländer«, ein spektakulärer kleiner Totholzfund. Nicht zu vergessen Michael Ackermanns Bild »Raum-Phantasie«, ein kraftvoll expressives Werk, das dem Betrachter lange Grund zum Versenken schenkt. Das ist jedoch wie immer noch nicht alles, was der Betrachtung wert ist.

 

Wieder einmal erweist sich der KuKuK als regional bedeutsames Sammelbecken verschiedenster Kunstkategorien und Kompetenzen, aus dem immer wieder Beachtliches empor sprudelt. Die einmalige Mischung der kreativen Fähigkeiten und Niveaus sorgt dafür, dass man hier stets eine inspirierende Begegnung mit der Kunst der Region erlebt.

 

Die Ausstellung ist bis zum 29. November jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

 

 

 

 

Gießener Anzeiger – Kritik KuKunale 20.2 von Heiner Schultz

Montag, 19.10.2020

 

Start für "KuKunale 20-2" in Wißmar

Die "KuKunale 20-2" in Wißmar ist gestartet. 13 Teilnehmer präsentieren bis zum 29. November ihre Werke in einer Gemeinschaftsausstellung.

 

WISSMAR - Im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg e. V. (KuKuK) sprudelt die Kultur weiter, fast als wäre nichts gewesen. Jetzt wurde die "KuKunale 20-2" gestartet, eine Gemeinschaftsausstellung. Offiziell ist es die zweite Hälfte der vergangenen Schau, nur dass es diesmal ein paar Teilnehmer mehr sind. Am Samstag war Eröffnung.

 

Auch die fand wieder auf dem Hof statt, ganz nach den Hygienevorschriften. Etwa 50 Mitglieder und Kunstfreunde waren erschienen, um sich die neuesten Werke der 13 Teilnehmer anzusehen, ein sehr beachtlicher Andrang. In der Kunsthalle war wieder ein Rundgang vorbereitet, auf dem sich die Besucher so wenig wie möglich annähern konnten. Die Inszenierung des Raums gelang diesmal schon deutlich besser.

 

Zu sehen sind Arbeiten von Michael Ackermann, Vera Bennung Corominas, Lucyna Baniak, Helga Deiß, Klaus Engelbach, Johannes Eucker, Gabriele Herlitz, Bernd Mayer, Marita Meurer, Bernd Rosenbaum, Silvia Rudnicki, Ines Scheurmann und Horst Wolcke. Wegen der Anzahl der Teilnehmer und zu präsentierenden Werke geriet die Ausstellung etwas petersburgisch enger als üblich.

 

Doch die Gestaltung der Hauptwand gegenüber dem Eingang ist sehr gut gelungen. Den starken Hauptakzent setzen dort die abstrakten Bilder von Gabriele Herlitz, farbstarke und stilistisch und kompositorisch sichere, sehr ästhetische Arbeiten.

 

Ganz prima harmoniert das mit dem mittleren Feld und seinen dort platzierten niedrigen Kästen und Stelen. Dies insbesondere prunkt mit einer eindrucksvollen Vielzahl von Werken, nicht zuletzt kleinen Formaten. Neben Johannes Euckers wie gewohnt gut gelaunten metallischen Alltagsfiguren fallen da die kleinen Aquarelle von Helga Deiß auf.

 

Gelungene Mischung

Mit "5x der Fantasie freier Lauf" zeigt sie hoch konzentrierte abstrakte Kompositionen, die mit inhaltlicher Dichte und kompositorischer Ausgewogenheit überzeugen; nicht übersehbar, genau wie ihr ironisches, aber herausragendes Ölbild "Mann, denkt!". Deiß hat sich anscheinend auch neu erfunden.

 

Ebenfalls auf der großen hinteren Wand macht Klaus Engelbach Eindruck mit seinen expressiven Giclée-Arbeiten. Mit düster differenzierter Ästhetik üben sie eine überraschende Wucht auf den Betrachter aus.

 

Man möchte schon sagen "wie üblich" wartet Marita Meurer mit neuen Arbeitsweisen auf und zeigt frei geschaffene Farbfelder in unterschiedlichem Duktus, sie wirken frisch und frei. Herausragend geriet ihr "Mosaik": farbstark und kompositorisch perfekt ausgewogen, ein Volltreffer.

 

Eine ungewöhnliche, leicht und aquarellhaft anmutende Technik und Stilistik nutzt Bernd Rosenbaum. Er findet mit seinen Druckfarben auf Metallplatte in "Neue Ziele" einen überraschenden Duktus, sehr ästhetisch.

 

Aus dem Rahmen fallen Silvia Rudnickis "Bildklötzchen", Holzscheite mit kleinen überwiegend naiven Tierbildern in Acryl - eine Abwechslung. Eindrucksvoll ist Bernd Rosenbaums kraftvoll schwebender "Fliegender Holländer", ein spektakulärer kleiner Totholzfund. Nicht zu vergessen Michael Ackermanns Bild "Raum-Phantasie", ein kraftvoll expressives Werk, das dem Betrachter lange Grund zum Versenken schenkt.

 

Und es gibt noch so einiges mehr zu sehen, das den Augenschein lohnt. Insgesamt macht der KuKuK seinem Ruf als kreativem Sprudelbrunnen einmal mehr alle Ehre und zeigt, dass seine Mischung aus professioneller Kunst und Arbeiten aus den benachbarten Bereichen nicht nur das kreative Potenzial der Region pflegt und seinen Mitgliedern immer wieder den Stimulus zur künstlerischen Entfaltung und Entwicklung bietet, sondern auch dem Besucher ein sehr anregendes Kunsterlebnis beschert.

 

Noch bis zum 29. November, nur sonntags von 15 bis 18 Uhr.

 

 


Heute bieten wir Links zu einer virtuellen Ausstellung auf der Webseite des Kunstpalasts Düsseldorf an. Man kann einzelne Kunstwerke oder ganze Räume anschauen. 

Die Seite auf Google ist auf Englisch aber kann ins Deutsche übersetzt werde. Dafür gibt es ein Button unten auf dem Bildschirm. Wenn man rechts über die Bilderreihe auf „Alle ansehen“ klickt, werden alle Gruppierungen gezeigt. Für einen Rundgang der Räume ein bisschen nach unten scrollen und bei „Museumsansicht“ auf das runde Bild klicken. Hinweise: in manchen Räumen sind Bilder unsichtbar gemacht worden. Es ist nicht immer einfach, die Bilder an den Wänden direkt anzuschauen, aber dafür gibt es die einzelnen Bilder. Es gibt eine Zoom-Funktion, um die Bilder sehr zu vergrößern.

Es gibt fünf Bereiche mit Gemälden, Skulpturen, Grafiken, Glas, Kunsthandwerk und neuen Medien.

„Von Rubens über Richter bis zu Rasierapparaten, so weit wie in kaum einem anderen Haus in Deutschland reicht das Spektrum unserer über 100.000 Objekte umfassenden Sammlung. Der Kunstpalast vereint fast alle künstlerischen Gattungen und eine Vielzahl von Epochen. Der Besucher kann sich mitnehmen lassen auf eine Reise durch die Kunstgeschichte, angefangen bei Gemälden, Skulpturen und Graphik aus Mittelalter und Neuzeit über Klassiker der Moderne hin zu Gegenwartskunst. Angewandte Kunst und Design sowie die einzigartige Glassammlung erweitern das Spektrum der Sammlung in einer Vielfalt, die ihresgleichen sucht.“ (www.kunstpalast.de)

 

https://artsandculture.google.com/partner/museum-kunstpalast-dusseldorf

 

https://www.kunstpalast.de/

 

https://www.kunstpalast.de/de/ueber-uns/unser-kunstpalast

 


 30. September 2020: Johannes Eucker

 aus "Zauber der Erinnerung" - Mein erstes Bild

 

Mein ganzes berufliches Leben lang und auch schon am Gymnasium hat Kunst eine bevorzugte Stelle eingenommen. Wann ich jedoch mein erstes Bild gemalt habe, kann ich nur schwer rekonstruieren. In Erinnerung ist mir, dass mein Vater mir Gegenstände mit Griffel auf die Schiefertafel vorzeichnete, als ich noch nicht zur Schule ging. Er zeichnete eine Axt, eine Säge, einen Hammer, lauter Dinge, die ich kannte und in seinen Zeichnungen zweifelsfrei wieder erkennen konnte. Dieses freie Zeichnen, wie er es nannte, hatte er als einziger seiner Schule vom Lehrer gezeigt und erlaubt bekommen, die anderen mussten geometrische Figuren mit Zirkel und Lineal nachbilden.

Meine ersten Malversuche wurden in der Volksschule angeregt. Es war nach Kriegsende, als eine junge Frau mit wenigen Wochen Kurzausbildung den Unterricht in den ersten vier Klassen der zweiklassigen Landschule übernahm, wo wir alle dem Alter nach in Rettigbänken in drei Reihen angeordnet unseren festen Platz hatten. Im dritten Schuljahr besaß ich ein Malheft, Format DIN A 5, der Umschlag aus grauem dünnem Karton, in der Qualität so ähnlich wie später die Raufasertapete, aber dünner und die darin enthaltenen Holzstückchen kleiner. Das Papier war hellbraun und holzhaltig. Weil die Hefte so kostbar waren, wurden wir angewiesen, die erste Seite zu teilen, damit auf der oberen und der unteren Hälfte je ein Bild Platz finden könne. Oben sollten wir - und das war wohl meine erste schulisch gestellte Malaufgabe - einen Mann malen, der Äpfel pflückt. Ich wusste sogleich, wie das Bild aussehen sollte, denn ich hatte nicht nur mehrfach bei der Obsternte geholfen, sondern musste selbst die Leiter hoch hinauf klettern, dort, wo sich mein etwas gehbehinderter Onkel nicht mehr hintraute. Er hielt derweil die Leiter unten fest.

Der Bildgegenstand bereitete mir also gar keine Probleme, denn er stammte aus meinem unmittelbaren Erfahrungsbereich und war hinreichend deutlich in meiner Vorstellung verankert. Das hatte sich die Hilfslehrerin wohl gut überlegt. Ein so genanntes Fantasiethema hätte mich damals in Verlegenheit gebracht.

Ich besaß auch einen Malkasten. Über seine Herkunft kann ich nur Vermutungen anstellen. Da man so etwas nicht kaufen konnte, hatte ihn vermutlich meine Tante von Städtern im Tausch gegen Lebensmittel ergattert. In dem Kasten lag ein Pinsel, dessen Haare so widerborstig abstanden wie die Zweige bei einem Reisigbesen. Einen ordentlichen Pinselstrich konnte man damit nicht erzeugen. Und die Farben lösten sich nur sehr unzureichend auf, so dass kein satter Farbton zustande zu bringen war.

Die Malweise, in der ich nun das Bild entstehen ließ, wurde mir teils von dem groben Pinsel aufgezwungen, teils hatte ich ein Vorbild. Das war das Werk eines Hobbymalers, der einige Zeit bei uns wohnte, weil er und seine Frau in Köln ausgebombt waren. Er malte eines Tages, als unser Flur neu gekalkt wurde, in ein kunstvoll abgegrenztes geometrisches Feld ein Bild, das aller Zustimmung und Bewunderung fand. Am Ufer eines kleinen Teiches inmitten eines grünen Buchenwaldes stand ein röhrender Hirsch, das Geweih in den Nacken gelegt. Die Bäume waren mit vielen grünen Tupfern gemalt, mal heller mal dunkler und sie spiegelten sich in dem ansonsten hellblauen See. So etwas hätte ich in dem großen Wald, der an unser Dorf grenzte, theoretisch schon gesehen haben können, obwohl darin der schöne See fehlte und wenn ich ehrlich sein sollte, einen so wunderbar dastehenden röhrenden Hirschen – einen Zwölfender - hatte noch keiner von uns gesehen. Der Maler hatte also ein Wunschbild vieler Dörfler sichtbar gemacht in dieser utopischen Darstellung. Applaus war ihm sicher.

Von diesem Maler hatte ich wohl die impressionistische oder neoimpressionistische Tupftechnik übernommen, ohne zu wissen, dass es solche Kunst schon im 19. Jahrhundert gegeben hatte. Statt der idealisierenden Darstellungsweise war ich aber mehr auf Realismus aus.

Was dieser Maler künstlerisch zielstrebig und ohne Zögern konnte, wollte mir aber nicht so einfach gelingen. Die Lehrerin gab uns keinerlei Anleitungen im Technischen und keine Hilfen zur Ästhetik der Bildgestaltung, sondern überließ uns unserer Einfallslosigkeit, Ungeübtheit und unserem Mangel an Erfahrung mit gemalten Bildern. Den Baum kriegte ich nach großer Anstrengung ganz gut hin, aber wie dann die Leiter und den Pflücker ins Bild bringen. Der Pinsel war dafür viel zu dick und zu widerborstig und die wässrigen Farben hatten keine Deckkraft. Ich verschob die Lösung dieses Bildproblems auf den Nachmittag oder Abend, in der Hoffnung Vater oder Mutter könnten mir beistehen. Das versuchten sie auch und zeichneten mit Bleistift eine Leiter, die so an den Baum gelehnt war, dass ich einen Mann in Rückenansicht darauf malen konnte. Mann und Leiter ließen sich aber mit diesem Pinsel und den schlechten Farben nicht hinreichend deutlich herausarbeiten. Sie waren ja auch winzig klein. 

Auf dieses Bild bekam ich als Note ein Befriedigend. Das war die schlechteste Schulnote, die ich in Kunst je bekommen habe. Dieser Unterricht, der eigentlich keiner war, machte mich sehr unzufrieden mit dieser sonst netten Hilfslehrerin. Ich erinnere mich, dass auf diese Seite im DIN A 5-Format noch ein zweites Bild gemalt wurde, halbseitig. Den Rest habe ich vergessen. Danach gab es einen neuen Lehrer. Der war schon über 70 Jahre alt, dafür aber kein Nazi gewesen. Bei ihm wurde weder gezeichnet noch gemalt. So begann meine Kunstkarriere.

 


23. September 2020: Dieterich Emde

 

Wie/mit welchem Medium drückst du dich künstlerisch aus? (Malen, Zeichnen, Fotografie, Objektkunst, darstellende Kunst, schreibende Kunst, sonstiges)

In erster Linie zeichne und male ich in verschiedenen Techniken. Neben Kreide, Kohle und Grafitstiften verwende ich in meinen Arbeiten hauptsächlich Acryl- und Ölfarben. Ich habe auch schon verschiedene Objekte in Holz und Metall hergestellt. 

 

Wie bist du dazu gekommen, diese Kunst zu lernen, auszuüben? Woher kam die Motivation?  Wer oder was hat dich dazu inspiriert? 

Neben dem normalen Mal- und Zeichenunterricht in der Schule hat mich eine Tante, die zeichnete und aquarellierte mit Kunst außerhalb der Schule bekannt gemacht und mir ein Buch über Maltechniken sowie Geschichte der Kunst geschenkt. 

Seit wann bist du künstlerisch aktiv?

Soweit ich mich erinnere, habe ich immer gerne gezeichnet. Im Frankfurter Zoo habe ich während meiner Schulzeit Tiere portraitiert. Später in meiner Zeit als Wehrpflichtiger in Gießen habe ich Auftrag-Portraits der Freundinnen meiner Zimmergenossen nach Fotos gezeichnet.
Mit Ölmalerei kam ich durch meine Tante in Berührung. Sie schenkte mir ein Set „Malen nach Zahlen“. Es bestand aus einem Malkarton mit aufgedruckter Landschaft (Burg an einem See) und den dazu erforderlichen Ölfarben und Pinsel. Das gefiel mir sehr, da ich hier erstmal mit „richtigen“ Farben zu tun hatte. Nachdem mir dieses Bild gelungen war, hatte ich Ölfarben zur Hand und versuchte mich weiterhin an unterschiedlichen eigenen Motiven an dieser Technik.
Durch Beruf und Familiengründung kam diese Beschäftigung zum Erliegen. Erst im Alter von etwa 40 Jahren fing ich wieder an zu malen. Von da an war ich eher künstlerisch aktiv. Etwa mit Fünfzig fing ich an, wieder sporadisch Mal- und Zeichenkurse zu besuchen, zuerst bei einer Künstlerin aus der Nähe von Frankfurt, später in der Sommerakademie Marburg, dort kam ich erstmals mit Radierung in Kontakt. 

Neben Zeichnen und Malen habe ich ebenfalls mit Metall und Holz künstlerisch gearbeitet. 

 

Woher nimmst du die Motive für deine künstlerische Arbeit?

Ich male in erster Linie gegenständlich und nehme Motive, die mich herausfordern, wie Portraits, oder Landschaften, die mir besonders gefallen.

  

An welchem Künstler, welchen Künstlern hast du dich im Anfang deiner künstlerischen Tätigkeit orientiert?

Ich weiß nicht, inwiefern ich mich an bestimmten Künstlern orientiert habe, bestimmt nicht am Anfang. Mich haben sehr unterschiedliche Künstler und Epochen interessiert. Natürlich die Großen der italienischen Renaissance- und Barockmaler; dann die flämischen Maler um Rembrandt, hier vor allem die Portraits. Dann wieder ab Impressionismus bis hin zu den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.   

 

Wie kamst du zum KuKuK?

2002 fand in Wettenberg eine Hobby-Künstlerausstellung statt, an der ich teilnahm. Im Nachgang zu dieser Ausstellung lud der damalige Bürgermeister Ende Januar 2003 interessierte Teilnehmer der Ausstellung zu einem Treffen mit dem Ziel ein, einen Kunstkreis aufzubauen. Ich nahm daran teil und wurde dadurch Mitbegründer des KuKuK. Es wurden Aufgaben verteilt und ich war für das Schriftliche zuständig. Als der Sprecher der Gruppe im April 2003 nach München zog, übernahm ich die Aufgabe des Sprechers. Mit KuKuK-Vereinsgründung wurde ich und bin bis heute KuKuK- Vorsitzender. Ich werde diese Position im Februar 2021 abgeben.

 

Welchen Beruf hast du erlernt, welchen Beruf übst du aus, bzw. hast du bis vor der Rente/Pension ausgeübt?

Ich habe Schlosser gelernt, da mein Vater eine kleine Schlosserei hatte. Nach seinem plötzlichen Tod musste ich mit 23 Jahren den Betrieb übernehmen, machte die Meisterprüfung und führte die Schlosserei 10 Jahre bis zur Aufgabe des Betriebs. Danach arbeitete ich als Ausbildungsleiter in einem Projekt der Stadt Frankfurt zur Qualifizierung arbeitsloser Jugendlicher. Ich legte während dieser Zeit extern die Abiturprüfung sowie die Externenprüfung als Sozialarbeiter ab. Bis zur vorzeitigen Rente mit 63 Jahren war ich zehn Jahre lang in der Betreuungsstelle der Stadt Frankfurt als gesetzlicher Betreuer für zumeist psychisch kranke Personen zuständig sowie als Berater für ehrenamtliche Betreuer. In dieser Zeit machte ich noch eine Fortbildung zur psychosozialen Beratung und Krisenintervention nach Rogers.

 

Kommst du aus der Gegend? Wenn nicht, wo kommst du her? Warum bist du hierhergezogen?

Ich habe 50 Jahre in Frankfurt gelebt und bin durch meine zweite Frau Barbara nach Mittelhessen gekommen. Barbara war Sängerin am Stadttheater Gießen und nachdem wir zusammenkamen, wohnten wir ein gutes Jahr in ihrer kleinen Wohnung in Atzbach, bis wir unser jetziges Domizil in Krofdorf mieten konnten.  

 

Lieblingsmusik: Ich liebe klassische Musik und Jazz. Meine Lieblingsmusik ist der 2. Satz aus dem Klavierkonzert Nr. 21 von Mozart, mein Lieblingsmusiker ist Louis Armstrong, den ich noch selbst bei einem Konzert in Frankfurt erleben konnte.

Lieblingskomponisten: Mozart und George Gershwin

Lieblingsessen: Obwohl ich ein großer Freund der mediterranen Küche bin, sind meine Lieblingsessen Sauerkraut (selbst gemacht), Frankfurter Grie Sooß und Gref-Völsings Rindswurst.

Lieblingsort: Krofdorf-Gleiberg

Sonstige Interessen oder Hobbies: Neben der ehrenamtlichen Arbeit im KuKuK, in den Wettenberger Partnerschaftsvereinen und im Gleiberg-Verein gebe ich seit etwa 20 Jahren Kochkurse bei der Kreisvolkshochschule. Corona hat hier erst einmal einen Riegel vorgeschoben.

 


16. September 2020: Ingrid Wortmann-Wilk

 

Wie/mit welchem Medium drückst du dich künstlerisch aus? (Malen, Zeichnen, Fotografie, Objektkunst, darstellende Kunst, schreibende Kunst, sonstiges) 

Malen (naiver Malstil), Fotografie, Collagen, Tanzen, Schreiben, Schmuck, Nähen

 

Wie bist dazu gekommen, diese Kunst zu lernen, auszuüben? 

Malen (seit 2015) – der Wunsch, Menschen nicht nur zu fotografieren, sondern auch malen. Motiven: Portraits von Familienangehörigen, Freunden und Bekannten; gesellschaftspolitische Themen

Wichtige Vorbilder: am Anfang Elvira Bach, Frida Kahlo – heute Margritte und andere surrealistische Maler.

 

Fotografie – Ich fotografiere seit meinem 18. Lebensjahr, hauptsächlich auf Reisen und in der Familie. Seit dem Eintritt in einem Fotoverein 2009 betreibe ich das Fotografieren sehr viel intensiver, nahm an Kursen teil und interessiere ich mich für die „Street Photography“.

Motiven: Street-Photography; Alltagsgegestände; Menschen in ihrer Arbeitssituation, in Kontakt mit Menschen und Tieren; Menschen die starke Emotionen ausdrücken. 

Wichtige Vorbilder: am Anfang Brassaï, Henri Cartier-Bresson, Robert Doisneau, August Sander – heute Vivian Meyer.

 

Collagen (seit 2017) – Seit einigen Jahren habe ich die Freude daran entdeckt, Fotos, Objekte und Materialien auf eine witzige Art und Weise zusammenzustellen.

Motive: Alltagsgegenstände wie Schlüssel, Löffel, Uhren; Fotos von Alltagsgegenständen.

 

Tanzen (seit 1987) – Seit ich mit 18 Jahren zum ersten Mal die Tänzerin „La Singla“ in einer Flamenco-Show in Marburg sah, war ich von diesem Musik- und Tanzstil fasziniert. Den ersten Unterricht nahm ich aber erst 20 Jahre später, gleichzeitig auch in orientalischem Tanz. Vor 15 Jahren kamen noch der osteuropäische Romatanz und der mexikanische Tanz dazu. Ich war Mitglied in verschiedenen Tanzgruppen, mit denen ich seit 25 Jahren regelmäßig Auftritte hatte, bzw. mit meiner jetzigen Gruppe habe, hauptsächlich mit Flamenco- und Romatanz.

Motive: Ich verwende gerne Requisiten wie Hüte, Stöcke, Tücher und Fächer und versuche (in Richtung Tanztheater) mit dem Tanz eine Geschichte zu erzählen. Als Musik nehme ich gerne feurige Rhythmen im Wechsel mit langsamen Passagen. Vorbild heute – La Juani.

 

Schreiben – Seit 12 Jahren schreibe ich an meiner Familiengeschichte und an meiner eigenen Lebensgeschichte. Vor einigen Jahren nahm ich an einem Kurzgeschichte- Wettbewerb teil. Während der Coronakrise kam ich auf die Idee, diese Kurzgeschichten fortzusetzen, und zwar mit dem Thema „Abschied“. Auch einige Gedichte habe ich geschrieben.

Wichtige Vorbilder: am Anfang der nüchterne Schreibstil von Ernest Hemingway – heute die Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki.

 

Schmuck (seit 2005) – In der Zeit, in der ich öfter auf Flohmärkte ging, habe ich viele Ketten gekauft, sie auseinandergeschnitten, die Perlen farblich geordnet und entwerfe aus diesen Perlen neue Ketten. Auch aus Uhren, Schlüsseln und Knöpfen habe ich Ketten und Gürtel gefertigt.

Motive: Die Ketten orientieren sich oft an ethnischem Schmuck.

 

Nähen (seit 1990) – Durch die Tanzauftritte ergab sich die Notwendigkeit von Auftrittskostümen. Da mir die fertigen Kostüme oft nicht gefielen, nicht passten oder zu teuer waren, habe ich dann einen großen Teil der Kostüme selbst genäht. Nähen habe ich in der Schule gelernt, noch auf Nähmaschinen mit Fußpedal.

Motive: Ich versuche, die Tradition der jeweiligen Tanzform hervorzuheben.

 

Woher kam die Motivation?  Wer oder was hat dich dazu inspiriert? 

Ich bin immer wieder fasziniert und voll der Freude und Befriedigung, wenn durch meine Ideen und dem schöpferischen Prozess etwas neues entsteht: auf dem leeren Papier ein Bild oder ein Text; aus der Meterware Stoff ein Kleidungsstück; durch den immer geübteren „fotografischen Blick“, ein Foto mit Aussagekraft; durch meine Phantasie und Erfahrung eine zur Musik passende Choreographie und das Erlebnis der tänzerischen Bewegung; aus einem Haufen Perlen eine farblich-harmonische Kette, aus einer Ansammlung von Fotos, Bildern oder Gegenständen eine zusammenpassende Collage.

 

Ein zweiter Aspekt der Motivation ist der Kontakt mit anderen Menschen, sei es, dass man die Kunst mit anderen zusammen ausübt, zusammen tanzt, gemeinsam fotografiert, gemeinsam eine Ausstellung vorbereitet, gemeinsam Tanz- und Fotoreisen unternimmt. Diese Reisen waren eine große Bereicherung für mein Leben. Vor allem durch die Tanzreisen bekam ich einen intensiven Einblick in die Kultur anderer Länder und Völker und damit auch viele Kontakte zu ihren Menschen. Insbesondere bin ich sehr interessiert an der Kultur der Sinti und Roma. Auch schätze ich sehr die Inspiration durch Gruppenmitglieder von Foto- und Kunstvereinen und die Möglichkeit, von ihnen zu lernen.

 

Eine weitere Motivation, sich künstlerisch zu betätigen, ist der Kontakt zum Publikum und zu den Besuchern von Ausstellungen. Es verschafft mir eine große Freude und Befriedigung, wenn ich andere Menschen mit meinem künstlerischen Tun erfreuen und berühren kann, sie zum Nachdenken und Lachen bringen kann, und sich daraus oft ein Gedankenaustausch ergibt. Auch Anerkennung und Bewunderung tun gut. Aber ich versuche, mich davon nicht abhängig zu machen, denn zum Präsentieren von Kunst gehört auch die Bereitschaft, Kritik und Verbesserungsvorschläge entgegenzunehmen, weiter zu lernen und auch zu akzeptieren, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind. Allerdings empfinde ich es als Luxus, dass ich von Kunst nicht leben muss und nicht auf die Beurteilung anderer Menschen angewiesen bin, sondern die Freude an der künstlerischen Gestaltung in den Mittelpunkt stellen kann.

 

Wie kamst du zum KuKuK?

durch Zeitungsartikel und die Empfehlung von Barbara Ritzkowski.

 

 

Welchen Beruf hast du erlernt, welchen Beruf übst du aus, bzw. hast du bis vor der Rente/Pension ausgeübt? 

Diplom-Psychologin

 

Kommst du aus der Gegend? Wenn nicht, wo kommst du her? Warum bist du hierhergezogen? 

Ich habe an verschiedenen Orten in Deutschland gewohnt und lebe seit 40 Jahren in Braunfels.

 

Lieblingskünstler: Paula Modersohn-Becker

Lieblingsfarbe: Rot 

Lieblingsmusik: lateinamerikanische Musik, Rock ‚n Roll, Flamenco

Lieblingsessen: Frankfurter Grüne Soße

Lieblingsort: Marburg

Lieblingsschriftsteller: Hans Fallada

 

Sonstige Interessen oder Hobbies:

Reisen, Lesen, Sammeln von Volkstrachten

 


9. September 2020: Klaus Engelbach

 

Wie/mit welchem Medium drückst du dich künstlerisch aus? (Malen, Zeichnen, Fotografie, Objektkunst, darstellende Kunst, schreibende Kunst, sonstiges) 

Ausgehend von einer Fotografie, die intensive Bearbeitung durch den Computer erfährt, entsteht ein Bild, das auf eigens grundierte Leinwand oder eine plastisch strukturierte Hartfaserplatte durch Gicléedruck aufgebracht wird.

 

Wie bist dazu gekommen, diese Kunst zu lernen, auszuüben? 

Diese spezielle Technik habe ich entwickelt, nachdem durch zunehmende Lähmung meiner rechten Hand Malen und Zeichnen immer schwieriger wurde.

 

Woher kam die Motivation?  Wer oder was hat dich dazu inspiriert? 

Die Frage, warum ich mich bildnerisch ausdrücken muss, habe ich mir immer wieder gestellt – etwas treibt mich dazu.

 

Seit wann bist du künstlerisch aktiv?

Meine erste Kamera und einen Ölmalkasten erhielt ich mit 14 Jahren, die ersten Arbeiten, die mein Kunstlehrer für besser als durchschnittlich hielt, entstanden, als ich 16 Jahre alt war.

Woher nimmst du die Motive für deine künstlerische Arbeit?

Seit ich etwa 18 oder 19 war, faszinierten mich japanische Holzschnitte, wie unschwer am beigefügten Selbstbildnis zu ersehen ist. Außerdem schätzte ich die Arbeiten von Paul Gauguin sehr, über dessen Selbstbildnisse ich meine 1. Examensarbeit schrieb. Eine Zeitlang beschäftigte ich mich mit fantastischer Malerei, besonders der Wiener Schule des Fantastischen Realismus (Fuchs, Hutter, Lehmden, Brauer).

 

 

An welchem Künstler, welchen Künstlern hast du dich im Anfang deiner künstlerischen Tätigkeit orientiert? Gibt es heute noch andere Vorbilder? 

Eigentliche Vorbilder habe ich nicht, schätze aber Bilder von Richard Oelze, Martin Dittberner und vielen anderen.

 

Wie kamst du zum KuKuK?

 

Zum Kukuk kam ich, weil meine Großcousine Heidi Rautenhaus mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, in einem Verein mit offenem Kunstverständnis mitzuarbeiten. Ich hatte. 

 


2. September 2020: Etwas anderes - Cartoons von Johannes Eucker

 

Heute gibt es kein Interview. Dafür werden mehrere Exemplare aus dem äußerst produktivem Cartoon-Atelier von Johannes Eucker gezeigt.


26. August 2020: Dieter Weiß

 

Wie/mit welchem Medium drückst du dich künstlerisch aus?

Mein bevorzugter Werkstoff ist Holz, gelegentlich kombiniert mit Metall oder anderen Werkstoffen. Schon als Kind und Jugendlicher hat mir mein Vater grundlegende Techniken der Holzbearbeitung beigebracht, bis hin zu einfachen Drechselarbeiten auf einer dafür eigentlich ungeeigneten kleinen Metall-Drehbank. 

Von Kunst konnte in diesem Rahmen keine Rede sein. Künstlerische Entfaltung fand ich vielmehr in der Musik. Mit Geige und vor allem Bratsche habe ich viele Jahre im Streichquartett, Schul- und Universitätsorchester und etlichen anderen Ensembles musiziert.

Erst im Ruhestand habe ich begonnen, einzelne Objekte aus Holz zu gestalten und in unserem Garten aufzustellen. Entscheidend war dann die Begegnung mit einem Hobby-Drechsler, der mir von den regelmäßigen Treffen der heimischen Drechsler im Holz+Technik-Museum in Wettenberg erzählte und mir dringend empfahl, dort einmal teilzunehmen. 

Wie bist dazu gekommen, diese Kunst zu lernen, auszuüben? 

Der erste Besuch bei diesem “Drechslerstammtisch Rhein-Main“ vor etwa 7 Jahren war die Initialzündung, diese Art der Holzbearbeitung richtig zu lernen und nach und nach die erforderlichen Geräte und Werkzeuge zu beschaffen. 

Woher kam die Motivation? Wer oder was hat dich dazu inspiriert? 

Neben der Anregung durch erwähnten Treffen mit Gleichgesinnten und dem Besuch von entsprechenden Ausstellungen gibt es im Internet eine unübersehbare Fülle von Anregungen, sowohl für nachahmenswerte Objekte als auch für Arbeitstechniken und „Tricks“.

 

Woher nimmst du die Motive für deine künstlerische Arbeit?

Manchmal „verrät“ mir ein Stück Holz schon, was es ungefähr werden will. Dann lasse ich mich von der anscheinend schon vorgegebenen Form leiten und arbeite sie so heraus, dass sie noch stärker zur Geltung kommt als im Ausgangszustand. 

An welchem Künstler, welchen Künstlern hast du dich im Anfang deiner künstlerischen Tätigkeit orientiert?

Da könnte ich keinen einzelnen Künstler nennen. Manchmal ist auch nur die Erinnerung an ein bestimmtes Stück vorhanden, und plötzlich entsteht die Idee, etwas Ähnliches zu schaffen. Mit der Verbesserung der handwerklichen Fertigkeiten ergeben sich natürlich auch Möglichkeiten, Objekte zu gestalten, die mir anfangs viel zu schwierig erschienen wären.  

 

Wie kamst du zum KuKuK?

Diese Frage kann ich ganz präzise beantworten. In unserer Tageszeitung fiel mir folgendes Bild ins Auge, und mir war sofort klar worum es sich dabei handelt.

In einem kurzen Artikel wurde auf eine Ausstellung im “KuKuK“ hingewiesen. „Da müssen wir mal hin“ sagte ich zu meiner Frau. Da sie gern malt, war sie auch sofort dabei. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir von der Halle und vor allem von der Vielfalt der Ausstellung sehr beeindruckt waren. Kurz und gut, im Nu war meine Frau Mitglied und von da an nahmen wir an allen KuKuK-Veranstaltungen teil. Als sie mich dann fragte, ob ich nicht auch Mitglied werden wollte, da brauchte ich nicht lange zu überlegen.

 

Welchen Beruf hast du erlernt, welchen Beruf übst du aus, bzw. hast du bis vor der Rente/Pension ausgeübt?

Ich habe an der Justus-Liebig-Universität Gießen Mathematik mit Nebenfach Physik studiert und nach dem Diplom in der wissenschaftlichen Datenverarbeitung gearbeitet, als die noch nicht IT hieß.

 

Kommst du aus der Gegend? Wenn nicht, wo kommst du her? Warum bist du hierhergezogen?

Ich bin in dem kleinen Dorf Ulm und später in Wetzlar aufgewachsen. Da war der Weg nach Gießen nicht weit, und ich konnte die ersten Semester noch ganz bequem zu Hause wohnen.

 

Sonstige Interessen oder Hobbies

Die Liebe zur Musik ist natürlich geblieben, wenn ich auch seit vielen Jahren nicht mehr aktiv musiziere. Aber schon seit langer Zeit singen meine Frau und ich in verschiedenen gemischten Chören und bedauern es sehr, dass Corona da eine Zwangspause bewirkt hat, deren Ende noch nicht abzusehen ist. 

Als weiteres Hobby könnte ich noch “Sprachen und Etymologie“ nennen, wobei es mir seit meiner Jugend Französisch besonders angetan hat.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass mich die Corona-bedingten virtuellen KuKuK-Aktivitäten, wozu ja auch diese Interview-Serie zählt, besonders inspiriert haben. Einige meiner Arbeiten, die in den verschiedenen Kategorien der “KuKuK-Werkstatt virtuell“ vorgestellt wurden, wären unter normalen Umständen nicht oder jedenfalls nicht so zügig entstanden.

 


19. August 2020: Harald Kessler-Rautenhaus

 

Ich will nicht hoffärtig sein und die Begriffe Kunst und künstlerisch auf mich und mein zeitweiliges Tun beziehen - nein, ich will nur spielen, bin nur neugierig. 

 

Genau; so kam ich auch zum KuKuK. 

Der Einstieg dort 2004 fiel zusammen mit dem Wiederaufkeimen meines Interesses an Fotografie, mit der ich mich im Studium der Kunstpädagogik beschäftigt hatte.  Das hat nach etwa 12 Jahren aber wieder sehr nachgelassen - der immer weiter anwachsende digitale Bildertsunami hat mich doch etwas verschreckt.

 

Ein Mensch, der mehr von Neugierde getrieben ist als von Ehrgeiz, tendiert dazu, öfter das Objekt seiner Neugierde öfter zu wechseln. (Aber das würde jetzt zu lang werden.)

 

Immer wieder und als "roter Faden" in meinem bisherigen Leben aber gilt mein Interesse Musik und Theater.

 

Der musikalische Geschmack wird in der frühen Pubertät geprägt, habe ich vor zwei Jahren gelesen. Tatsächlich: als 13-Jähriger habe ich Joan Baez in Frankfurt beim Ostermarsch 1966 kennengelernt und mich auch in ihre Musik verliebt. Andere Folk-Musiker als Vorbilder folgten.

 

Das hat mich dann doch so weit motiviert, mir selbst das Gitarrenspiel beizubringen (was man noch heute merkt). In Gießen studienhalber gelandet war ich an der Gründung der Folk-Gruppe "Holzrädchen" beteiligt, mit der ich über 10 Jahre musizierte und zahlreiche Konzerte bestritt. 

 

Das in meiner Schulzeit angefangene Engagement fürs Theaterspiel fand in Gießen ab den 80ern seine Fortsetzung in der "TheaGPsy", dem "Ziegelschiff", "Musenkeller", "Jugendclub Spieltrieb", den Schulen, in denen ich als Lehrer arbeitete, diversen Kursen und Fortbildungen, wo ich entweder spielte, inszenierte, unterrichtete oder einmal eine musikalische Leitung innehatte. In jüngerer Zeit kamen auch Lesungen hinzu. Um die Jahrtausendwende habe ich dann noch das Fach "Darstellendes Spiel" als Zusatzstudium absolviert. 

 


Wie/mit welchem Medium drückst du dich künstlerisch aus? Ich fotografiere viel (bin Mitglied bei den Fotofreunden Reiskirchen), im KuKuK bin ich aber eher mit meinen Keramiken vertreten. Bisweilen male ich mit Acrylfarben, aber eher für den Hausgebrauch. Mein Kollegiums-Chor (Lahntalschule Lahnau) und Avanti Dilettanti Gießen gaben mir die Möglichkeit zum gemeinsamen Singen, was aber unter Corona-Bedingungen sehr eingeschränkt ist.

 

Wie bist dazu gekommen, diese Kunst zu lernen, auszuüben?  Ich bin in allen Metiers reiner Autodidakt und bisweilen durch Zufall zu der jeweiligen Kunstsparte gestoßen. 

Keramik: In meinen ersten Herbstferien machte ich einen Ausflug ins Kannebäckerland und besuchte u.a. die Töpferei einer (mir bis dahin un-) bekannten Keramikerin in Höhr-Grenzhausen, der ich beim Arbeiten zusah. Das gefiel mir so, dass ich ihr einen Hubel Ton abkaufte und zu Hause damit herumexperimentierte. Das machte mir Spaß! Eine Kunstkollegin zeigte mir, wie man das alles brennt und glasiert. Und so war ich angefixt. 

Durch viel Trial und noch mehr Error habe ich mich dann ein wenig mit der Materie vertraut gemacht und gab dann selbst Töpferkurse in der VHS und einen Kurs in meiner Schule. So wurde ich mit der Zeit Mitglied des Kunstkollegiums und unterrichtete nach einigen Jahren auch regulär Kunst. Das hat mein ohnehin vorhandenes Interesse für Kunst im Allgemeinen zusätzlich befördert.

 

Seit wann bist du künstlerisch aktiv?

Wenn man von Musik (Blockflöte und Trompete im Schulbläserkreis) absieht, habe ich erst nach meinem  Studium mein Herz für die Kunst entdeckt. 

 

Woher nimmst du die Motive für deine künstlerische Arbeit?

In früheren Jahren habe ich Eulen gesammelt. Daher waren Eulen auch meine ersten Motive, die ich in verschiedenen Variationen durchkonjugierte. Das mach ich immer noch gern. Dann haben mich Galerie- und Museumsbesuche angeregt. Nicht dass ich das dort Gesehene kopieren wollte, es war eher Anstoß für eigene Ideen.

 

An welchem Künstler, welchen Künstlern hast du dich im Anfang deiner künstlerischen Tätigkeit orientiert?

Beim Malen war ich sehr von Mark Rothko angetan und habe erste Versuche in dieser Richtung unternommen. In der Keramik kann ich wenig Namen nennen. Die Plastiken aus indianischen und afrikanischen Kulturen haben mich immer fasziniert und angeregt. Sie bieten ein unerschöpfliches Reservoir für mich.

Für moderne Kunst habe ich mich von Anfang an interessiert, die Werke der Documenta betrachtete ich mit der ehrfurchtsvollen Scheu eines Jungen vom Lande. Mittlerweilen getraue ich mich aber, über den einen oder anderen Künstler mein inzwischen graues Haupt zu schütteln.

 

Wie kamst du zum KuKuK?

In meiner Heimatgemeinde Hüttenberg gibt es im OT Volpertshausen eine sehr alte kleine Kirche, die als Atelierkirche hergerichtet wurde. Ich hatte mich dort sehr engagiert und wollte beim KuKuK einmal reinschnuppern, um zu erfahren, wie man ein solches Projekt organisiert. Ich wurde hier Mitglied und bin gleich zu Beginn gefragt worden, ob ich mit ausstellen wollte. Eigentlich war ich dazu noch gar nicht bereit, weil ich meine Ergebnisse für nicht vorzeigbar hielt. Die Resonanz war aber sehr ermutigend und hat mich weiter machen lassen. 

 

Ich bin 71 Jahre und war Lehrer für Gesellschaftslehre bzw. Politik und Wirtschaft sowie für ev. Religion, später Ethik. Meine ursprüngliche Heimat ist der Odenwald, aber seit fast 50 Jahren lebe ich bedingt durch Studium und Beruf hier in der Gegend und habe sie liebgewonnen. Wenn ich das hiesige Platt so gut könnte wie mein Odenwälderisch, wäre die Umtopfung perfekt.