Ausstellungen 2021 

Leider wissen wir nicht, wann die KuKuK-Halle wieder geöffnet werden kann. Freundlicherweise wird die Arbeitsgruppe Kunstspinnerei ihre für den 16. Januar geplante Ausstellung digital vorstellen.


 

16. Januar 2021

Verbindungen

 

 "Vernissage" und virtuelle Ausstellung der Kunstspinnerei  

 

 

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Verbindungen sind die Voraussetzung für alles Existierende von den winzigen Quarks im Atomkern bis zum Universum. Im physikalischen, chemischen und biologischen Bereich verbinden sich die kleinsten Teilchen zu Atomen, Atome zu Molekülen, Moleküle zu größeren chemischen Verbindungen bis hin zu lebensfähigen Organismen.

 

Gleiches oder Ähnliches kann sich zu einem Ganzen verbinden, genau wie Unterschiedliches oder Gegensätzliches. Lebewesen sind verbunden durch die Gemeinsamkeiten der Evolution, Menschen sind verbunden durch ihre familiäre, soziale und kulturelle Herkunft. Gemeinsame Interessen verbinden Vereinigungen vom Fußballclub oder Vogelzüchtern bis zu Parteien, Nationen und zur EU. Solche Verbindungen können von Vorteil sein, aber auch Abhängigkeiten und Zwänge schaffen.

 

Auch in der Kunst gibt es natürlich Verbindungen, nicht nur im Verhältnis von Schülern zu ihren Meistern, wie es seit dem Mittelalter üblich war, nicht nur in Künstlergruppen, die sich seit dem 19. Jh. zusammenfinden, sondern auch in den künstlerischen Sicht- und Verfahrensweisen, die sich im Lauf der Zeit aus den jeweils früheren Kunststilen entwickelt haben.

 

Verbindungen im materiellen Bereich sowie im menschlichen Leben thematisiert die Kunstspinnerei in ihrer Ausstellung. Die Ausstellung soll im nächsten Jahr mit mehr Teilnehmern als „zweiter Teil“ wieder in der Kunsthalle stattfinden, dann als „echte“ Ausstellung, die wieder ganz normal für ein „echtes“ Publikum zugänglich ist.

 

Zum Video: 

Anstelle unserer üblichen analogen Ausstellung präsentieren wir unsere Exponate (wegen der Seuche) in digitaler Form. Es empfiehlt sich den Ton einzuschalten: 

 

Günter Wirtz 

liest Gedichte und Prosatexte, die er zu vier Bildern von Klaus Engelbach verfasst hat (siehe auch weiter unten). 

 

Klaus Engelbach

Verbindungen sind ein Wesensmerkmal alles Existierenden. Ohne Verbindungen in Form von Anziehungs- und Fliehkräften könnte das Universum nicht existieren, ohne Verbindungen durch Verhaltensformen chemische Signale könnte kein Ameisenstaat existieren. Unser Leben ist geprägt von Verbindungen zwischen Dingen, zwischen Dingen und Lebewesen, zwischen Lebewesen, ohne dass wir uns dessen gemeinhin bewusst sind. Verbindungen können locker, aber auch sehr intensiv sein. 

 

Ich habe mich einmal beschränkt auf Visualisierung von Verbindungen auf dinglicher Ebene in unserem engeren Umfeld, für die ich die gegenständliche Darstellungsweise gewählt habe: Fenster, Türen, Treppen, Wege und Straßen. Ich habe weiterhin Phänomene auf sozialpsychologischer Ebene gewählt, die ich in assoziativ wirkender Abstraktion anbiete: Paarbeziehung und versäumte Beziehung. Drittens sind Günter Wirtz und ich eine Verbindung eingegangen insofern, als ich Günter Bilder zur Verfügung stellte, von denen er zu einer Auswahl Texte verfasste. Bild und Text stehen jeweils für sich, sind aber durch Grundgedanken miteinander verbunden.

 

Heidi Rautenhaus 

Verbindungswege - Verbindungsnetze - Verbundpflaster - Bindungen - Verbindungen von Paaren - Verbindungen unterschiedlicher Farben und Materialien. Ich habe bei meinen Bildern und Objekten auf die Nennung von Titeln verzichtet, da ich denke, dass sie für sich selbst sprechen.

 

Mareike Engelbach

Verbindungen gibt es vielen Bereichen und das Wort an sich kann für jeden unterschiedliche Bedeutungen tragen und Assoziationen wecken.  

Für mich selbst finde ich Verbindungen in meinen Werken in drei verschiedenen Punkten wieder, welche ich anhand meiner Plastik „Nornir“ näher erläutern kann. Der erste Punkt betrifft die Auswahl des Material, so verwende ich neben Wachs auch Steine, Sand, Holz, Bauschutt und weiteres. Ebenso findet man bei näherer Betrachtung auch einen Wollfaden, der sich um, in und über die verschiedenen Materialien schlängelt, versteckt durch das Wachs, das die einzelnen Materialien zu einem Werk verbindet. 

 

Der zweite Punkt bezieht sich ebenfalls auf die Materialien. So habe ich die Materialien in meiner Stadt, in der ich lebe, nämlich in Frankfurt in meiner Einkaufsstraße gekauft und auf einem Spielplatz, aus einem Container mit Bauschutt und in Parks gesammelt. Die Verbindung der Herkunft der Materialien spiegelt das menschliche Leben wider, das alltägliche Leben, das uns alle als Menschen verbindet. 

 

Der dritte Punkt ist die Auswahl des Themas meiner Plastik, der Titelgeber des Werkes. „Nornir“ bedeutet im Deutschen Nornen. Die Nornen sind in der nordischen Mythologie die Frauen, die den Lebensfaden eines Menschen spinnen, ihn nach der Geburt eines Menschen an jenen anknüpfen und ihn schlussendlich auch durchschneiden. Die Verbindung ist hier das Leben und der Tod, die Naturwissenschaftliche moderne Betrachtungsweise des Lebens zu der mittelalterlichen Mythologie, ebenso aber auch die Verbindung von verschiedenen Mythologien, denn die Nornen kennt man in der griechischen Mythologie auch als Moiren. 

 

Der Lebensfaden wird in meinem Werk durch den Wollfaden repräsentiert, die sich durch die verschiedenen Materialien, die das menschliche Dasein symbolisieren schlängelt und durch den „Nebel der Unwissenheit“, was das Leben bringt und wie es verläuft verschleiert wird, welches durch das Wachs dargestellt wird. Auch in meinen anderen Werken finden sich die genannten Punkte wieder.

 

Harald Kessler-Rautenhaus

Gibt es eine innigere Verbindung als die zwischen Mutter und Schraube?