Poesie des Zerfalls

(21.September - 21.Oktober 2018)

 

„Poesie des Zerfalls“

 

Kann Zerfall etwas mit Poesie zu tun haben? Aber natürlich!

Davon können sich die Besucher der nächsten Gemeinschaftsausstellung des Kunst- und Kulturkreises Wettenberg (KuKuK) zwischen dem 21. September und dem 21. Oktober überzeugen. 15 Künstlerinnen und Künstler zeigen eine Vielfalt an Malerei, Fotografie und Objekten.

 

Zer-fall, im Wortsinne interpretiert, kann bedeuten, daß ein Gegenstand herunterfällt und mit lautem Krachen zerbricht. Weit häufiger geht es aber nicht um gewaltsames Zerbrechen, sondern um langsames und allmähliches Verfallen und Zerbröseln, das leise und fast unmerklich vor sich geht, aus dem aber auch wieder Neues entstehen kann.

Verwitterte Reste von Wandmalereien in Abbruchhäusern, aus der sich die Geschichte der Bewohner noch ablesen läßt, verfallende Ruinen neben kühl renovierten Fassaden, zerbröckelnde Farbreste auf alten Türen und Mauern, die eher an abstrakte Gemälde als an die Wiedergabe von Realität denken lassen, sind für Künstler oft viel interessanter als perfekte Oberflächen. Sie erwecken die dichterische Fantasie, die zur künstlerischen Interpretation der Vergänglichkeit anregt.

Berühmte Beispiele aus der Kunstgeschichte sind die prunkvollen holländischen Stilleben aus dem 17. Jahrhundert. Aus üppigen Blumensträußen rieseln einige Blütenblätter, Käfer knabbern an Pflanzlichem, neben Silberkannen und chinesischen Vasen vertrocknen angeschnittene Äpfel und Zitronen, und Mäuse hocken neben halbleeren Weinflaschen oder umgestürzten Kerzen und erloschenen Tabakspfeifen. All dies symbolisiert die Vergänglichkeit des Lebens und das Vergehen der Zeit.

 

Die Künstlerinnen und Künstler des KuKuKs inszenieren die Ästhetik des Zerfalls mit dem Blick der Menschen von heute, der sich mehr auf Form, Farbe und Komposition eines Kunstwerks richtet und weniger auf die Übermittlung moralischer Vorstellungen.

Sie thematisieren vergehende Natur und Architektur, betrachten  die Vergänglichkeit des Menschen mit leiser, hintergründiger Ironie und zeigen auch den Neubeginn nach dem Zerfall, wenn z.B. junges Grün sich unter altem Holz hervordrängt.

 

Die Ausstellung ist in der Kunsthalle des Vereins vom 21. 09. (Vernissage) bis zum 21. 10. 2018 an jedem Wochenende und am Feiertag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

 

Am Samstag, den 20. Oktober, um 19.30 Uhr, tritt die Gruppe „Poco Piu“ mit Harfenpop und Percussionssoul auf. Die Interpreten sind Cordula Poos und Markus Reich.