Der Begriff Holzpoesien als Suchbegriff ins Internet eingegeben führt kaum zu Ergebnissen. Es ist kein eingeführter Begriff. Man weiß nicht so recht, was er bedeuten soll. Und genau dieser Umstand macht ihn geeignet als Titel einer Ausstellung und als Programm eines Workshops.
Er ist hinreichend ungenau um nicht gleich einige Einfälle auszugrenzen. Er ist interpretierbar und dehnbar, insofern dankbar.
Verbalaktion: Mit verteilten Rollen zu lesen, unter Einbeziehung aller Ausstellenden.
Die Akteure stehen an verschiedenen Stellen im Raum und sprechen von dort laut in die Zuschauermenge.
Sprecher 1: Holz - ist Werkstoff.
Sprecher 2: Poesie - ist Kunststoff.
Sprecher 3: Was ist dann Holzpoesie?
Sprecher 4: Wenn der Stoff entfällt: Kunstwerk!
Sprecher 1: Kann bei Werken der Holzpoesie das Holz entfallen?
Sprecher 2: Nein, natürlich nicht. Es vergeistigt.
Sprecher 3: Whow!
Sprecher 5: Holz kann brennen.
Sprecher 6: Poesie kann zünden.
Sprecher 7: Holz ist ein warmes Material.
Sprecher 8: Poesie ist zum Erwärmen.
Sprecher 9: An Holzpoesien kann man sich entflammen. Holz dagegen kann zu Asche verbrennen.
Sprecher 10: Poesie behält ihre Wärme. Holzpoesie widersteht der Vergänglichkeit. Holz ist ein duftes Material für dies und das.
Sprecher 1: Holz, das sind tote Bäume, Symbole der Vergänglichkeit.Vanitas ist ein poetisches Thema.
Sprecher 2: Holz ist vergänglich per se, es verfault und vermodert. In der Poesie aber schlummert Transzendenz.
Sprecher 3: Ehrlich?
Sprecher 2: Poesie verlängert das Leben. Und macht aus Vergänglichkeit Kunst.
Eucker: Holzpoesien sind künstlerische Produktionen, die über die alltägliche Nutzung des Holzes hinausgehen. Sie haben experimentellen Charakter wie er der Bildenden Kunst seit dem 20. Jahrhundert eigen ist.
Sprecher 3: Aha!
Sprecher 9: Poetische Objekte vermögen magische Momente im Bewusstsein des Betrachters zu beleben.
Sprecher 10. Donnerwetter!
Sprecher 1: Mit Holz kann man kühn konstruieren.
Sprecher 2: Mit Poesie kann man kühn fantasieren,
Sprecher 3: aber auch fantastisch konstruieren, montieren, bauen, skulptieren, drucken….
Sprecher 9: Holz, das sind
Sprecher 4: Leisten, Latten, Stäbe, Klötze,
Sprecher 5: Platten, Bretter, Würfel, Quader,
Sprecher 6: Äste, Zweige, Rinde, Bohlen,
Sprecher 7: Balken, Scheite, Keile, Furniere,
Sprecher 8: Wurzeln, Stümpfe, Späne,
Sprecher 9: Spanplatten, Tischlerplatten, Dielen,
Sprecher 10: Schindeln, Pellets…
Eucker: Zu Holzklotz habe ich eine Parabel gefunden. Sie ist von Eugen Roth:
Ein Mensch, der sich für stark gehalten,
Versuchte einen Klotz zu spalten.
Doch schwang vergebens er sein Beil:
Der Klotz war gröber als der Keil.
Ein zweiter sprach: Ich werd´s schon kriegen!
Umsonst – der grobe Klotz blieb liegen.
Ein dritter kam nach Jahr und Tag
Dem glückt´es auf den ersten Schlag.
War der nun wirklich gar so forsch?
Nein – nur der Klotz ward seitdem morsch.
Sprecher 9: Holz, das ist
Sprecher 1: morsch, abgelagert,
Sprecher 2: frisch, feucht,
Sprecher 3: vermodert, gespalten,
Sprecher 4: zersägt, gekeilt,
Sprecher 5: zerhackt, geschreddert,
Sprecher 6: verkohlt, wurmig,
Sprecher 7: geschnitzt, geraspelt,
Sprecher 8: gehauen, gedrechselt,
Sprecher 9: überblattet, gefugt,
Sprecher 10: genagelt, verleimt,
Sprecher 1: verfault, gelackt,
grundiert, gestrichen,
konserviert, gehobelt,
geschlitzt, geborsten,
verfeuert, gefräst…
Sprecher 9: Holz, das kann
Vermodern, verwittern, verfaulen
Sprecher 10: Holz, das kann man
Verbrennen, verbauen, verheizen, verarbeiten
Sprecher 1: Zu viel ver!
Holz, das kann man auch noch
Zersägen, zerteilen, zerhacken, zertrennen, zerbrechen, zerspalten…
Eucker: Alles Ver und Zer klingt destruktiv.
Wir aber gehen konstruktiv um mit Holz.
Wie? Wir haben es poetisch gefasst.
Kommen Sie und sehen Sie!